Die Gesprächskultur ist im Arsch

Ein illustrierter Mann schimpft und es steht das Wort RANT auf dem Bild.

Jetzt muss ich dann doch noch einen größeren Beitrag über einen Microblog von mir schreiben. Letzterer hatte größere Wellen geschlagen. Ich habe mir erlaubt, eine kleine Gruppe von Radfahrer:innen zu kritisieren und gegeben, ihr Verhalten zu reflektieren.

Darauf hagelte es Kritik wegen Radfahrer-Bashings. Immer wären SIE das Problem. Und ICH wäre ein Problem, weil ich solche Beiträge schreibe und ich „Dose“ müsste mehr Rücksicht nehmen und die Verkehrsregeln einhalten, dann würde auch nix passieren.

Nun gut, wie habe ich die angesprochene Gruppe definiert?

Radfahrer:innen, die

im Zwielicht, bei Regen, dunkel bekleidet, ohne Licht mit dem Rad fahren UND dann auch noch Verkehrsregeln (speziell Vorränge) nicht einhalten

Und was war meine konkrete Aussage?

Diese Menschen setzen nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel, sondern sie zerstören im schlimmsten Fall auch noch das des weiteren Unfallbeteiligten, wenn sie den Löffel abgeben. Think about it.

Ich möchte den Kommentierenden die Richtigkeit ihrer Aussagen in einigen Punkten nicht absprechen. Ganz und gar nicht. Allerdings zeigt sich ein Verhalten, das eines der großen Probleme in der heutigen Diskussionskultur widerspiegelt. Und genau das macht es auch so schwierig, mit Menschen klar zu kommen, mit deren Einstellung man großteils übereinstimmt, aber eben nicht überall und vor allem auch nicht alles kritiklos hinnimmt.

  1. Unterstellungen. Es werden Dinge diskutiert, die nicht geschrieben wurden. Was mitgemeint sein könnte usw. ist irrelevant. Es zählt, was da steht. Warum ist es so schwierig, sich darauf zu beschränken? Dieser ständige Whataboutism mit dem noch weitere Themen ins Gespräch gezerrt werden, die überhaupt nicht relevant sind und die ständige Unterstellung, was man nicht alles doch gemeint hat, nervt gewaltig.
  2. „Du als Dose“ – mit Dose ist hier wohl eine autofahrende Person gemeint. Es wurde hier impliziert, ich sei mit dem Auto unterwegs gewesen. Steht das da? Nein, es ist in keinster Weise angeführt, wie ich unterwegs war. Das ist hinsichtlich meiner Aussage auch vollkommen irrelevant. Der eigentliche Punkt ist aber diese abwertende Sprache und die vermeintlich moralische Überlegenheit. Als ob man etwas Besseres wäre. Gespräche funktionieren auf Augenhöhe immer noch am Besten.
  3. „Aber es sind ja nicht viele“ – Verharmlosung meiner Aussage. Es käme ja kaum vor und deswegen ist die Aussage falsch. Es ging nie um irgendeinen Anteil, oder ob es über alle Radfahrer:innen gesehen viele sind, oder nur in meiner Beobachtung. Es gibt sie und dieses Verhalten ist schlicht wenig intelligent und gefährlich. Das ist auch meine Kernaussage. Ob davon 0,1% oder 30% betroffen sind, ist ir-re-le-vant.
  4. Belehrungen. Mir werden Vorhaltungen gemacht, dass ja Autos auf Sicht angepasst fahren müssen und dann geht sich das schon aus, inkl. irgendwelcher gerichtlichen Abhandlungen. Und Fahrräder hätten ja ohnehin Rückstrahler. Erstens: Ich spreche hier von regelwidrigem Verhalten (Nichtbeachtung der Straßenverkehrsordnung). Da hilft dir die Fahrt auf Sicht wenig. Zweitens: Die Rückstrahler helfen bei regelwidrigem Verhalten auch wenig. Die Einhaltung der Regeln wär ein guter Schritt in die richtige Richtung. Da braucht es keine Belehrungen, sondern eher Akzeptanz – und den Rest kann man stecken lassen – weil er nichts zur Sache beiträgt.

Punkt 2 kann man mir gerne für den Titel meines Microblogs umhängen. Wenn ich beobachten muss, wie sich ein Radfahrer aus Dummheit fast selbst umbringt, dann fällt mir dazu auch nichts anderes ein. Den Darwin Award hat er (zum Glück) knapp nicht geschafft. Alle Radfahrenden, Autofahrenden mit einem abwertenden Begriff anzusprechen, ist nicht mein Stil und deutet meiner Meinung nach auch nur auf einen möglichen Fanatismus hin.

Ich fahre selbst gerne und möglichst viel mit dem Rad. Ich bin aber auch zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch mit dem Auto unterwegs. Wie so viele andere, wechsle ich also immer wieder meine Rolle im Verkehr.

Der einzige gemeinsame Nenner, der allen das Leben im Straßenverkehr nicht nur einfacher macht, sondern auch vorhersehbarer und einschätzbarer, was andere Verkehrsteilnehmer:innen machen werden, sind unsere Verkehrsregeln.

Wer Verkehrsregeln nicht einhält, setzt vorsätzlich sein Leben, das Leben anderer bzw. deren Zukunft aufs Spiel.

Das auch noch herab zu spielen, ist das schlechtest mögliche Signal, das man geben kann. Denn diese aufweichende und schlussendlich egoistische Haltung kann schon morgen dein eigenes Schicksal besiegeln.

Kommentare

16 Antworten zu „Die Gesprächskultur ist im Arsch“

  1. Avatar von Herr Tommi

    @hello Glückwunsch, Du hast die Fahrrad-Bubble hier kennengelernt. 😄 Deswegen meide ich hier einige Hashtags, wie der Teufel das Weihwasser.

    1. Avatar von Norbert

      Gib mir genug Zeit und ich schalte alte Trophäen frei 😀

      1. Avatar von Herr Tommi

        @hello Jetzt bekommst Du bestimmt noch die „Auch Radfahrer“- Auszeichnung. Damit darfst Du auch keine Meinung zu Nur-Radfahrern haben und schon gar nicht mitreden. 😂

        1. Avatar von Norbert

          Na super. Die „auch Autofahrer“-Auszeichnung hab ich mir schon vor längerer Zeit verdient. Jetzt darf ich ja nirgends mehr mitreden. Pff.

          1. Avatar von BjoernAusGE

            @hello das ist auch einer der Gründe warum ich vor einigen Monaten den meisten Leuten aus der Fahrrad Bubble entfolgt bin. Ich hatte mir unter dieser Bubble was anderes vorgestellt. Technik Tipps, Touren Tipps, netter Austausch. Bekommen habe ich eigentlich tonnenweise „motorisierte Gewalt“, und Leute die Helme für absolut unnötig halten wenn es doch keine Autos gäbe. Da sind einige wenige sehr laute Personen die diese ganze Bubble sehr toxisch machen. Und wenn man nicht zu 100% Rad fährt oder zu Fuß geht ist man schon abseits der reinen Lehre, und hält am besten den Mund. Ich glaube viele dort fehlt die Perspektive von der anderen Seite. @jansenspott

          2. Avatar von Herr Tommi

            @bjoern Schöner hätte ich nicht zusammenfassen können. @hello

          3. Avatar von BjoernAusGE

            @jansenspott leider nur eine zusammenfassung meiner eigenen Erfahrungen mit dieser Bubble. Dabei gibt es innerhalb dieser Bubble auch ganz viele tolle Leute die von Ihrem Erlebnissen auf zwei Rädern berichten. Nur geht das leider auf im lauten Geschrei der Verkehrs-Weltuntergangs-Propheten unter. @hello

          4. Avatar von Hiker

            @bjoern Hat was…. und ist bei anderen Themen manchmal ganz ähnlich… @jansenspott @hello

          5. Avatar von BjoernAusGE

            @hiker es ist halt wie im echten Leben. @hello @jansenspott

  2. Avatar von Norbert

    Na hoffentlich hast diese Erkenntnis nicht irgendwo ins Internet geschrieben 😀

  3. Avatar von b30

    … sind wichtig und wertvoll! Beispiel gefällig? »Die Gesprächskultur ist im Arsch« Thema: Stich in eine Bubble. (Es könnte jede Bubble sein.) Auslöser: Ein kleiner…

  4. Avatar von Verena

    Radfahrer, die im Dunkeln mit dunkler Kleidung und ohne Licht fahren, gefährden ja dann auch nicht nur sich, weil sie von Autofahrern nicht gesehen werden, sondern auch von anderen auf dem Fahrrad, fällt mir dazu noch ein. So ists es ja auch, wenn dunkel gekleidete Menschen zu Fuß unterwegs sind, das Licht eh schon schlecht und man dann mit dem Fahrrad (mit Licht) ankommt. Dann sieht man unter Umständen die unsichtbaren Personen auch erst sehr spät.

    Dass Rdfahrer sich nicht immer an Verkehrsregeln halten, beobachte ich als Radfahrerin aber auch immer wieder. Vor allem bei Rot über die Ampel fahren oder dicht überholen (von der falschen Seite). Vor einem Jahr wurde ich knapp von einem Radfahrer überholt, der dann den halben Weg (durch einen Park, kein breiter Weg) auch noch so vor mir fuhr, dass ich keine Chance zum Überholen hatte. Und dann hat der gute Mann auch noch schön zur Seite aus der Nase gerotzt. Ich war ziemlich nah hinter ihm und er hatte Rückspiegel. Das ist zwar kein Verkehrsdelikt, aber eine ziemliche Unart anderen Menschen gegenüber.
    Ich fahre mittlerweile seit einem Jahr zwei Mal die Woche mit dem Rad zur Arbeit (wenn es noch/schon dunkel ist, eher nicht) und stelle immer wieder fest, dass alle Verkehrsteilnehmer sich bescheuert verhalten. Das wäre eigentlich mal ein eigener Blogartikel wert. Was ich auch feststelle: der Zustand der Straßen und Wege… Ich hätte mir vielleicht kein e-Trekking/Citybike kaufen sollen, sondern ein e-Mountainbike. Inklusive blinkendem Licht, was mich komplett umgibt und lauter Hupe.

    1. Avatar von Norbert

      Es hätten alle etwas schöner und leichter, würden wir wieder ein wenig mehr aufeinander achten – oder uns zumindest nicht deppat benehmen. Tät ja auch schon reichen.

  5. Avatar von Patric

    Ich gehe gerne wandern und fahre Fahrrad, Motorrad und Auto. Überall trifft man auf rücksichtslose Personen, asoziales Verhalten ist leider an der Tagesordnung. Die wenigsten nehmen Rücksicht aufeinander. Meine Beobachtungen bestätigen deinen Beitrag.
    Zu meinen absoluten Lieblingsfreunden gehören Rennradfahrer:innen, für die ganz spezielle Regeln gelten (die sich aber nicht einmal eine Klingel leisten können).

    1. Avatar von Norbert

      Viel zu viele halten sich zu wichtig und als Geschenk Gottes an die Menschheit.

      Du hast recht, es zieht sich wirklich schon überall durch.

  6. Avatar von Herr Tommi

    Wieder eine Woche rum, Zeit für einen Rückblick. Vorab schon mal den Hinweis, in der kommenden Woche wird es keinen Rückblick geben, weil Urlaub. 🙂 KW 39/2025 Es ist Herbst geworden. Ich hatte zum ersten Mal seit Monaten eine Jacke an. Der neue Spamfilter im Büro läuft und sortiert sehr gut aus. Relativ angenehm ruhige Woche im Büro, in der man mal produktiv sein konnte. Physio tat sehr gut. Es ist kalt geworden. Muss mal über eine bessere Jacke für das Radfahren nachdenken. Vorbereitungen für den kommenden Urlaub laufen. Psyche diese Woche: 3+ Apple-Music-Playlisten mal neu sortiert und gefüllt. Ein Jahr rauchfrei! Ausschüttungsbrief der VG-Wort bekommen. Negativrekord, seitdem ich mit dem Blog dort angemeldet bin. War aber zu erwarten. Kleinere Änderungen am Blog Auto von innen und außen säubern lassen. Sagen wir mal, es wurde Zeit. Eine Spam-Welle schlägt hier auf dem Blog ein. Alleine am Sonntag über 20.000. Aber AntiSpamBee kümmert sich liebevoll darum. Und alleine bin ich auch nicht. Gespielt am Wochenende: Terraforming Mars und Schwingenschlag Bewegung und Sport Radfahren diese Woche: Immerhin 2 Touren – Summe: 42 Kilometer Fitness-Studio: 1x (Milon Zirkel, Liegendrad, Ergometer, Laufband) Gelesen Das zweite Königreich von Rebecca Gable Lesenswertes aus dem RSS-Reader: Ich bin überzeugt davon, dass der Konsum von Bier bestehende Geschlechterordnungen und Machtverhältnisse reproduziert. Im Bierkonsum lassen sich patriarchale und heteronormative Machtstrukturen entlarven. (Ja, der Titel ist wirklich so lang.) Die Gesprächskultur ist im Arsch Die Meisterprüfung: Mit der Goldwing am Stilfser Joch Zeitverschwendung als Lebenskunst Wer, der Bilder der Woche

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