Die Krux mit den Smartphones

Das Bild zeigt vier Smartphones. Zwei liegen hintereinander mit Display nach unten, zwei sind auf einen Verkaufsständer gestellt. Eines ist mit Display zur Kamera ausgerichtet, das andere in die entgegengesetzte Richtung.

Die Entwicklung bei den Smartphone steht. Es gibt kaum etwas Neues. Einzig, überall muss das Etikett KI geklebt werden. Das geht nicht nur auf Kosten meiner privaten Daten (mitsamt dem ganzen Werbekram), sondern auch auf Performance und in weiterer Folge auf den Akku – für Funktionen, die ich eigentlich nicht möchte.

Nun habe ich das Thema, dass mein Samsung Galaxy S21 5G nicht mehr über den Tag hält. Ich muss definitiv zwischendurch laden. Das ist an Arbeitstagen kein Problem. Unterwegs ist das ein Problem. Bei Wanderungen in den Bergen habe ich in der Regel immer ein Akkupack mit, aber auch ein größeres, als es eigentlich notwendig sein sollte.

Das bedeutet, dass ich mit diesem Smartphone nicht mehr lange durchkommen werde. Ein Featurephone für unterwegs usw. ist keine praktikable Lösung.

Android & Custom ROM?

Auf Basis Android stehen Custom ROMs zur Verfügung. Wunderbar, um die Mitteilungsbedürftigkeit des Smartphones in Richtung Hersteller einzudämmen. Digitale Souveränität ist das Stichwort. Datenschutz wäre ebenfalls ein Stichwort. Klingt also erstmal alles super.

Aber:

Der größte Nachteil: Viele Apps stehen einfach nicht zur Verfügung, weil sie über F-Droid etc. einfach nicht angeboten werden, sondern über Google Play laufen. Google-Freiheit bedeutet also auch, auf viele Apps verzichten. Oder, wie es manche wohl offensichtlich tun: ein zweites Smartphone spziell für die Apps verwenden, die nur per Google Play erhältlich sind.

Apropos Google-Freiheit: Das wohl bekannteste Custom ROM ist wohl GrapheneOS. Und das läuft eben nur auf Google Pixel-Geräten.

DivestOS wurde eingestellt. LineageOS verwendet Google-Dienste. CalyxOS ruht derzeit auch. Mal ganz davon abgesehen, dass die Köpfe hinter GrapheneOS und CalyxOS eher speziell sein dürften (siehe ihre gegenseitigen Beflegelungen) und das somit das Vertrauen auch nicht weiter erhöht.

Gerne wird auf microG als Google Play-Ersatz verwiesen. ABER, vieles funktioniert darüber nicht, es ist einfach kein vollwertiger Ersatz.

Android oder iOS?

Schlussendlich kann man sich zwischen einem fullblown Android und iOS entscheiden. Apple ist vielleicht nett, wenn man sich komplett in deren Ökosystem einigelt. Das tue ich nicht und deswegen kommt es für mich auch gar nicht in Frage. Zudem bin ich nicht bereit, deren Preise auf den Tisch zu legen.

Bei Android bin ich bei den Services an Google gebunden, aber nicht, was die Hardware betrifft. Zumindest diesbezüglich kann ich mir einen Hersteller aussuchen. Das ist hauptsächlich dem Preis zuträglich und sorgt dafür, gewissen Herstellern kein Geld abzudrücken. Natürlich wollen aber auch diese Informationen mitschneiden, was dann auch passiert mit eigenen Android-Erweiterungen, Apps, Accounts und dergleichen.

Wie dann schützen?

Das ist eine gute Frage.

Folgendes unternehme ich (in der Hoffnung, dass es die Situation verbessert):

  • möglichst keine Hersteller-Accounts anlegen und das Smartphone mit ihnen verbinden (z.B. Samsung Account).
  • Hersteller Accounts vom Smartphone entfernen oder zumindest deaktivieren (je nachdem, was möglich ist) und ausgewählte Software installieren
  • Freie Software bevorzugen und über F-Droid (oder alternative F-Droid-Clients installieren, z.B. Droid-ify).
  • Diverse Blocker installieren: Ad-Blocker (AdAway), Firewall (NetGuard)
  • Browser mit erhöhten Datenschutzeinstellungen verwenden bzw. Telemetrie etc. in der Config abschalten

Die vorhandenen Google-Service bereiten mir allerdings noch immer Kopfschmerzen, aber eine solide Lösung hab ich nicht zur Hand.

Wunschvorstellung?

Meine Wunschvorstellung wäre ein europäisches System, das sämtliche rechtlichen Vorgaben tatsächlich einhält und worüber alle relevanten Apps bezogen werden können.

Keine Abhängigkeit zu US-amerikanischen Unternehmen – außer, man möchte eine ihrer Apps haben, aber dann müssen sie das über unseren Store vertreiben und sich an die Spielregeln halten.

Aber ich fürchte, das ist ein utopischer Gedanke.

Ideen/Vorschläge?

Bitte gerne, per Kommentar, Mail, Signal, Threema.

Kommentare

7 Antworten zu „Die Krux mit den Smartphones“

  1. Avatar von Hans Josef

    @hello
    Ich bin vor 3 Jahren vom Samsung S8 auf ein Pixel 7 umgestiegen, weil ich den Berg Bloatware bei Samsung einfach Leid war. GrapheneOS hab ich noch nicht ausprobiert, weil ich Benutzer bin und kein Entwickler. Auch Nicht-Google-Apps verkaufen deine Standorte in die Welt. Auch Apple Geräte haben eine Werbe-ID, um dich wiederzuerkennen, und auch Apple weiß immer wo du bist, weil sie das für "regionsbasierte Services" brauchen.

    1. Avatar von Norbert

      Apple steht nicht zur Diskussion. Das sollte ohnehin durch meinen Beitrag hervorgehen.

      Bei Nicht-Google-Apps muss man darauf achten. Viele freie Apps, die ich schon jetzt im Einsatz haben, verkaufen gar nichts, da dahingehend nichts aufgezeichnet wird. Aber das ist Pflege-Arbeit.

  2. Avatar von Hans Josef

    @hello
    Und wenn ich das Telefon als "Notrufgerät" ohne WLAN, mobile Daten und Bluetooth dabei habe, erstellt Telesign immer noch Profile von dir und weiß, wo du bist und versilbert diese Information. Und da kannst du nichts gegen tun. Nicht konfigurieren, kein anderes OS. Nichts.
    Außer Smartphone ausschalten.

    1. Avatar von Norbert

      Dieses Problem kommt on Top dazu, hat jetzt mit meiner eigentlichen Fragestellung aber nichts zu tun.

  3. Avatar von Gerald Schneider

    @hello mit dem Aurora Store lassen sich so ziemlich alle Anwendungen aus dem Play Store installieren und updaten, auch anonym.
    Klar, das Problem mit den Google Diensten besteht dann immer noch. Ich bin inzwischen recht schmerzfrei, wenn es keine freie Alternative gibt benutze ich eine APP einfach nicht. Insgesamt bin ich mit GrapheneOS sehr zufrieden.

  4. Avatar von Hyperbolix Prudens 🎹🖌️⌨️

    @hello Ich war verblüfft, wie lange das Shiftphone ohne Google mit seinem doch eher untermotorisierten Akku durchhält (1-2 Tage bei mir locker) – Das mag daran liegen, dass da weder ein "Assistent" werkelt noch Hintergrunddienste besträndig Daten durch die Weltgeschichte senden.
    Ein bisschen eigene App-Hygiene muss aber auch sein, grundsätzlich bin ich aber dazu zurückgekehrt, für Dinge, die ich auf ner Webseite erledigen kann, nicht in einer App zu erledigen. Für mich funktioniert das…

  5. Avatar von Martin

    Ich würde mir ja ein solides europäisches Smartphone-Betriebssystem wünschen, das von einem freien Entwicklerkonsortium entwickelt wird und das dem europäischen Datenschutz unterliegt. Leider Zukunftsmusik, denn die Europäer hängen aus unerfindlichen Gründen ja lieber am Tropf der USA. Und irgendwie hat es auch kein europäisches Unternehmen/Entwicklerteam bis heute geschafft, ein Smartphone-Betriebssystem zu entwickeln, das a) breit akzeptiert wird (incl. Store und Apps) und b) stabil auf allen Endgeräten läuft.

    Es ist zum Mäusemelken. Bis dahin nutze ich Android mit allen Tricks, die mir helfen, dass ich nicht übermäßig ausspioniert werde.

    Sorge bereitet mir außerdem, dass der Ami in Gestalt seiner komplett irren Regierung bei Android und iOS für alle Nutzer jenseits der USA jederzeit den Stecker ziehen könnte. Dazu muss Trump nur mit seinem dicken Filzstift ein Dekret unterschreiben. Und die Gefahr ist groß, dass er das eines Tages macht, wenn er mal wieder aus irgendwelchen Gründen einen Hass auf uns hat.

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