Es ist ja gar nicht so leicht. Grundsätzlich bin ich ja gerne dabei, wenn andere auf ihren Blogs auf meine Beiträge reagieren. Wenn aber Dinge in den Raum gestellt werden, die keine realen Grundlagen haben, wird es schwierig. Eventuell hilft da auch vorab ein kurzes Gespräch. Gab es nicht, dann also so.
Oliver weist meine Aussage zu Twitter/X und Bluesky zurecht. Er hat hier einen Nebenaspekt herausgeholt, der mit dem Kern meiner Aussage nur am Rande zu tun hat. Aber offensichtlich war es ihm ein Anliegen, Twitter/X schön zu reden.
Hierzu bedient er sich einer Annahme, der er sich bedient, ohne tatsächlich bei mir rückzufragen.
Hinzu kommt diese moralische Abkürzung: „Wer seriös ist, bedient kein Netzwerk von Elon Musk.“ Das ist klassische Moralapostel-Logik. Plötzlich geht es nicht mehr um Inhalte, Reichweite oder Wirkung, sondern um Gesinnungschecks über den Plattformbetreiber.
Aber ich kläre das auch gerne hier auf: Elon Musk ist mir per se komplett egal. Ich habe Elon Musk im Beitrag auch gar nicht erwähnt. Mir ist aber nicht egal, was auf einer „sozialen“ Plattform hinsichtlich Falschnachrichten, algorithmischer Bevorzugung von menschenverachtenden, rechtlich und moralisch fragwürdigen Inhalten passiert.
Ja, das ist ein moralischer Grund, eine Plattform nicht zu unterstützen und denjenigen, die das weiterhin tun, dies ebenso nahezulegen.
Wenn einigen Reichweite lieber ist, bitte. Ich bin aus dem Alter raus, in dem ich überall mitmachen muss, ohne Gedanken darauf verwenden zu wollen, wer die Geldgeber und Nutzhabende sind.
Natürlich kann man wegsehen, weil REICHWEITE. Aber man muss es nicht. Und ich tue das nicht.
Seriosität hängt nicht vom Kanal ab, sondern vom Inhalt. Kommunikation findet dort statt, wo Menschen sind – nicht dort, wo man sich ideologisch am wohlsten fühlt. Wer Plattformen pauschal canceln will, cancelt am Ende nicht problematische Inhalte, sondern gleich die Infrastruktur.
Seriosität kann auf zwei Parameter angewendet werden: Den einzelnen Inhalt und die Plattform (damit dahinterliegende Geldgeber).
Auf Twitter/X entscheidet der Plattformbetreiber (durch Algorithmus), wer welche Inhalte zu sehen bekommt. Damit ist das Thema Reichweite durch, wenn man sich nicht an die (mitunter politischen) Vorgaben hält. Das bedeutet: Andere Meinung, keine Reichweite. Damit rückt der einzelne Inhalt massiv in den Hintergrund. Aber wissen ja, Twitter/X steht ja für „Free Speech“.
Ergo durchaus ein Grund für mich, die gesamte Plattform zu canceln.
Dann gibt es noch ein weiteres Recherche-Problem. Klein und klugscheisserisch zwar, aber doch vorhanden:
X ist tot – sagt die deutsche Bubble
Diese „X ist durch“-Nummer? Das ist vor allem eines: Bubble-Denken. Und zwar aus einer ziemlich deutschen Perspektive.
Ich fühle mich geehrt, als „die deutsche Bubble“ angesehen zu werden. Richtig wäre aber deutschsprachig. Nicht alles, was deutsch spricht, ist deutsch. Nacht keinen? Doch!
Letzten Endes geht es auch darum, wie sehr man auf einen wahren Grundgehalt seiner Aussage achtet oder wie intensiv mit Annahmen und Mutmaßungen gearbeitet wird, nur um eine möglichst große Breitseite zu landen. In diesem Fall war das – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Wort mit x.


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