Social-Media-Verbot für Jugendliche – gute Idee?

Bild mit Herzchen, Smilieys, Menschen, die Selfies machen, Smartphone und Laptop. In der Mitte ein Schriftzug "Social Media"

Australien hat es vorgemacht. Für Unter-16-Jährige gibt es kein TikTok, Snapchat, YouTube, Facebook, Instagram, Threads, Twitch, X, Reddit usw. Auch in der EU regt sich der Verbotsfinger und es wird diskutiert, auch bei uns Social-Media für Jugendliche zu verbieten. Aber ist das der richtige Ansatz?

Eines ist unbestritten: Social Media bringt sehr viele Probleme mit sich. Hier ein kleiner Ausschnitt:

  • Suchtverhalten durch Algorithmen
  • Cybermobbing durch Anonymität
  • Idealisierte Lebenswelten führen zu Neid, Unzufriedenheit und einem negativen Selbstbild
  • Verstärkte extreme Meinungen durch Echokammern
  • Verlust von Privatsphäre
  • Verbreitung von Falschinformationen
  • Politische Einflussnahme

Die Liste könnte noch verlängert werden.

Viele der Probleme hängen mit den Algorithmen der Plattformen zusammen. Was wird priorisiert? Was darf in den Vordergrund? Was wird den Menschen gezeigt?

Gerade wenn Menschen ins Fediverse wechseln merkt man, wie sehr diese verlernt haben, sich selbst interessante Accounts und Informationen zu suchen. Dieses Berieselt-Werden steht im Vordergrund.

Und das ist alles unabhängig vom Alter.

Wenn wir uns nun daran machen, Jugendlich davon fern zu halten, dann erreichen wir damit nur eines:

Jugendliche haben es schwer, mit ihren Freunden und Freundinnen in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen. Wir nehmen ihnen also einen Teil ihrer aktuellen Welt.

Zudem ändert sich dadurch nichts zum Guten. Wir sehen jeden Tag, dass selbst Erwachsene (die ohne Social Media aufgewachsen sind!) gegen die Probleme von Social Media nicht immun sind und auf Falschmeldungen, politische Einflussnahme usw. hereinfallen und/oder massive Zeichen von Suchtverhalten zeigen.

Vielmehr wäre es an der Zeit, Social Media-Plattformen rechtliche Vorschriften zu machen, die genau das verbieten und bei einem Vergehen nicht nur empfindliche Geldstrafen auszusprechen, sondern Plattformen überhaupt zu sperren und ihnen so die Einnahmequelle (siehe Werbeeinnahmen) zu nehmen.

Ein verantwortungsbewusster Umgang bedeutet, ein Problem an der Wurzel nachhaltig zu behandeln. Kindern und Jugendlichen den Zugang zu zeitgemäßen Kommunikationsmitteln zu verwehren ist eine Symptombehandlung. Natürlich kann man das Fieber mit kalten Tüchern lindern, aber irgendwann muss man auch den Grund fürs Fieber finden und behandeln, sonst stirbt der Patient.

In diesem Sinne wünsche ich mir mehr Rückgrat und Weitblick von unseren Politiker:innen.

Kommentare

3 Antworten zu „Social-Media-Verbot für Jugendliche – gute Idee?“

  1. Avatar von Markus

    @hello Ich glaube, dass das Pferd von der falschen Seite gesattelt wird.

    Aus Armutsbetroffenen‑Sicht ist ein Social‑Media‑Verbot für Jugendliche eher ein klassenspezifischer, teils entlastender, teils entmündigender Eingriff, der ohne massive Investitionen in soziale Infrastruktur mehr schadet als nützt.

    Was eher hilft? (1/3)

  2. Avatar von BjoernAusGE

    @hello das Verbot dieser Plattformen für Jugendliche hilft nur den Plattformen. Diese sind dadurch nicht gezwungen Ihre Standards zu ändern. Die Nutzung durch Jugendliche ist schließlich illegal. Sinnvoller wäre es gegen solche Plattformen rechtlich vorzugehen und im äußersten Fall einfach zu verbieten. So schützt man die Massen.

  3. Avatar von Sari

    ICh finde auch, dass die Plattformen mehr auf ihre Inhalte schauen und dass Drumherum noch viel mehr Aufklärung und richtiger Umgang aufgezeigt werden muss. Und sind wir doch mal ehrlich, was erreicht ein vollständiger Verbot? Dass man Wege findet es zu umgehen und heimlich zu tun.

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