Vivaldi datenschutzfreundlich? Nein.

Vivaldi Logo

Immer wieder liest man, Vivaldi ist ein europäischer Browser, datenschutzfreundlich und ohne Tracking. Leider sehe ich aber ein massives Problem, gerade, was das potentielle Tracking betrifft.

Zuletzt habe ich bei Markus das gelesen:

Trotzdem gibt es europäische Alternativen, wie den neuerdings sehr populär gewordenen und datenschutzfreundlichen „Vivaldi„-Browser aus Norwegen. Er basiert, wie Chrome, auf der offenen Chromium-Engine, aber eben ohne das Tracking.

Nun. Es ist nicht meine Intention auf Markus los zu gehen. Ich nahm seinen Beitrag lediglich als Anlass, endlich darüber zu bloggen, denn selbige Aussagen habe ich gerade in den letzten Wochen quer durchs Web gelesen.

Mike Kuketz vom Kuketz-Blog hat sich das Datesendeverhalten von Vivaldi im Zuge einer größer angelegten Browser-Reihe genauer angesehen und fand das hier:

Mehrere Funktionen in Vivaldi hängen von Google-Komponenten ab. Das ist wenig verwunderlich, denn Vivaldi basiert auf Chromium. Über die Adresse »clients2.google.com« stößt der Browser seinen Update-Prozess an und sucht nach Aktualisierungen für die mitgelieferten bzw. zusätzlich installierten Add-ons.

Dieser Request (Detail-Request bitte am Kuketz-Blog nachsehen) wird bei jedem Start des Browsers ausgeführt.

Weiters:

Um den Nutzer vor schädlichen Domains bzw. Schadsoftware(-Downloads) zu schützen, lädt Vivaldi in regelmäßigen Abständen eine Blockliste bei Google. Die Schutzfunktion basiert auf Google Safe Browsing und ist unter anderem auch in Firefox anzutreffen. Eine Überprüfung auf schädliche Domains erfolgt zunächst lokal auf dem Gerät des Anwenders. Bei einem Treffer sendet der Browser einen Hash der aufgerufenen Seite (URL) an Google, um zu prüfen, ob die Seite seit der letzten Aktualisierung von der Liste entfernt worden ist oder blockiert werden sollte. Diese Anfrage enthält nicht die vollständige Adresse der besuchten Seite, sondern nur Teildaten, die aus der Adresse generiert wurden.

Und dann:

Während dem Test kontaktierte Vivaldi ca. alle 2 Minuten die Adresse »safebrowsing.googleapis.com«, um die Blockliste herunterzuladen. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten.

Und mein Highlight:

Jedes Mal wenn der Browser ein Eingabefeld auf einer Webseite findet, öffnet er offenbar eine Verbindung zur Adresse »content-autofill.googleapis.com«.

Ich fasse zusammen:

  • Google weiß, wann ihr den Browser startet
  • Google weiß, wie lange ihr ihn geöffnet habt
  • Google weiß, welche Seite ihr angesurft habt
  • usw.

Das ist nicht die Definition eines Browsers ohne Tracking.

So, nun könnte jemand meinen, das die Analyse von Mike Kuketz bereits im Jahr 2021 durchgeführt wurde. Das ist richtig und deswegen habe ich mir das selbst angesehen. Und hier sind meine Ergebnisse:

Der Download scheint mittlerweile über Vivaldi selbst passieren (Adresse: update.vivaldi.com). Es gab keinen Aufruf mehr der Adresse clients2.google.com, oder einer ähnlichen Adresse. Das ist gut.

Allerdings gibt es alle 45 Sekunden Aufrufe über unterschiedliche Protokolle hinweg zu:

  • safebrowsing.googleapis.com
  • mobile-gtalk.l.google.com
  • android.l.google.com

D.h. die grundlegende Aussage ändert sich nicht. Ein Tracking ist damit möglich und wird wohl fix auch gemacht. Nur auf einer anderen Ebene.

Als ich dann auch noch gesehen habe, dass Vivaldi einen US-Anbieter für ihr CDN verwenden, habe ich nicht mehr Zeit investiert, da noch tiefer einzusteigen und weitere Analysen durchzuführen.

Es mag schon sein, dass sie bei Vivaldi Trackern und Co. den Kampf ansagen und eine gute Grundintention haben, aber dann müssen sie das Problem bei der Wurzel angreifen. Ist der Keller feucht und schimmelt, dann setzt sich das noch oben fort. Wer sich

Wir kämpfen für ein Ende des Würgegriffs der Tech-Giganten über das Internet. (Vivaldi)

auf die Fahnen heftet, sollte sich fragen, ob Chromium mit den Anbindungen zu Google eine gute Idee ist. Und ob es eine gute Idee ist, für die Infrastruktur ein US-Unternehmen zu verwenden.

Ich finde: Nein.

Schade. Eine gute Chance vertan.

Wie so oft: Tolle Texte auf der Website, die nichts bringen.

Somit empfehle ich weiterhin LibreWolf.

Update 05.02.2026:

Ich möchte auf noch eine Sache verweisen. Vorneweg: Ich finde es gut, dass Vivaldi dies transparent kommuniziert:

Um zu wissen, wie viele Nutzer wir haben, generiert Vivaldi bei der Installation eine ID. Diese ID hilft uns sicherzustellen, dass wir Sie nicht mehr als einmal zählen, auch wenn Sie den Browser neu installieren oder mehrere Profile auf demselben Gerät verwenden. Die ID wird ausschließlich zur Zählung der Nutzer verwendet und nicht mit anderen Daten kombiniert. Sie verfolgt nicht, was Sie tun, wohin Sie gehen oder wie Sie den Browser verwenden.

Quelle: https://vivaldi.com/de/we-respect-your-privacy/

Allerdings finde ich die Tatsache problematisch, dass es einen eindeutigen Identifier jeder Installation gibt. Nun kann man Vivaldi vertrauen, dass dieser Identifier nicht für ein Tracking verwendet wird, Tatsache ist, dass über diesen Identifier ein Tracking möglich ist. Die Frage ist, wann und wie oft wird dieser Identifier übertragen und wer kann diesen abgreifen (nur Vivaldi selbst, der Hoster, der CDN-Anbieter, wo werden die Daten gespeichert, wer hat darauf Zugriff usw.) und zuordnen kann.

Ich kann die Intention von Vivaldi nachvollziehen, allerdings bietet nur die Existenz einer eindeutig zuordenbaren ID ein großes Potential für Missbrauch. Aktuell ist mir nicht bekannt, dass es hierzu ein Audit einer unabhängigen Stelle gibt, die dies bestätigen kann. Bitte gerne um diesbezügliche Informationen.

Kommentare

21 Antworten zu „Vivaldi datenschutzfreundlich? Nein.“

  1. Avatar von Friedemann

    @hello

    fyi: @Vivaldi is in the Fediverse

    1. Avatar von Norbert

      Ich weiß.
      Aber ich glaube nicht, dass das alles neu für sie ist.

  2. Avatar von Graufuchs 🇪🇺🇩🇪🇳🇱

    @hello Interessant, das zu lesen. Bin gerade genau aus Datenschutzgründen auf Vivaldi umgestiegen. Und nun? Wieder wechseln? Wohin? Und lassen sich die Google-Dienst nicht über die Privatsphäre-Einstellungen deaktivieren?

    1. Avatar von Norbert

      Kann sein. Ich finde aber, dass man das nicht alles erst ausschalten müssen sollte. Der Standard sollte sauber sein.

      1. Avatar von Norbert

        Ich empfehle grundsätzlich LibreWolf. Hab das auch im Beitrag noch ergänzt.

        1. Avatar von Graufuchs 🇪🇺🇩🇪🇳🇱

          @hello Danke für die Info. LibreWolf habe ich gesehen. Werder rat einmal BRAVE ausprobieren.

          1. Avatar von Norbert

            Brave hat ähnliche Themen. Aber musst ja du für dich entscheiden 😉

          2. Avatar von GunChleoc

            @hello Brave wird durch einen Cryprobro entwickelt, das ist auch so ein problematischer Typ.

          3. Avatar von Norbert

            Das ist korrekt und wollte ich gestern nicht auch noch ins Spiel bringen, um nicht noch negativer zu wirken. Aber du hast natürlich vollkommen recht, dass dies durchaus Fragen aufwirft. So gab es in der Vergangenheit laut diversen Quellen auch Aktionen unter der Haube und ohne Wissen der Nutzer, um Affiliate-Einnahmen zu erzielen. Das schafft nicht unbedingt Vertrauen.

        2. Avatar von iSchack

          @hello @graufuchs #LibreWolf ist ne feine Sache – aber leider nur für #Mac und nicht für #iPhone. 😕
          Und Sync von Lesezeichen etc. ist eben auch eine feine Sache.

          1. Avatar von Norbert

            Möglicherweise Plain-Firefox bzw. Ecosia (hab ich aber nicht geprüft) ein Thema?

            Ich z.B. benötige für nichts einen Browser-Sync.

          2. Avatar von iSchack

            @hello @graufuchs #Ecosia nutze ich tatsächlich als Suchmaschine, den Browser habe ich mir aber auch noch nicht weiter angeschaut und wüsste nicht mal, welche Engine da läuft.

            Die Engine ist dann auch mein Problem mit #Firefox. Auf dem #iPhone nämlich verwendet die Firefox-App nicht die Firefox-Engine, sondern die Safari-Engine – und die macht auf verschiedenen Websites immer mal wieder Ärger und ist genau der Hauptgrund, weshalb ich überhaupt einen Wechsle erwäge. :/

          3. Avatar von Norbert

            Das ist noch so? Seit iOS 17.4 erlaubt Apple Nicht-WebKit-Engines. Vermutlich wird sich nichts geändert haben, da Apple hier nur EU-Recht abbildet und Mozilla keine zweite Implementierung pflegen wird wollen.

          4. Avatar von iSchack

            @hello @graufuchs Jepp, genau so scheint es zu sein.

          5. Avatar von Norbert

            Na gut, die Engine ist ja nur eine Sache. Die Frage ist ja, was der Überbau so macht. Da bin ich persönlich dann doch näher bei Firefox und weniger bei Alternativen á la Brave, Vivaldi und Co.

  3. Avatar von WildEnte

    @hello vielleicht etwas Kontext, wo auch die Entscheidungen für die Wahl bestimmter Standardeinstellungen erklärt werden https://vivaldi.com/blog/decoding-network-activity-in-vivaldi/

    1. Avatar von Norbert

      Die Seite ist nicht aktuell (siehe Update). Und sie widersprechen darauf ihrem Vorhaben. Sehe ich problematisch und hilft zur Einordnung nur bedingt?.

      1. Avatar von WildEnte

        @hello naja die von Dir zitierte Mike Kuketz Seite ist von 2021 und damit auch nicht mehr ganz taufrisch, was ihren Inhalt aber nicht weniger nachvollziehbar und relevant macht. Jede einzelnen Ping zu irgendwelchen Servern darf man kritisch bewerten.

        Ich persönlich finde Transparenz gut, und wenigstens bei mir schafft es durchaus Vertrauen, wenn der Hersteller einer Software jede Verbindungsaufnahme der Software zu irgendwelchen Servern erklärt. Sie kehren auch nicht unter den Teppich, dass sie von der angedachten Änderung des User Countings Abstand genommen haben.

        Man kann ja mit unterschiedlicher Perspektive auf die gleichen Fakten gucken und zu unterschiedlichen Schlüssen kommen. Und dann gehört für mich aber auch dazu, dass man bei der Meinungsbildung unterschiedliche Positionen zu Wort kommen lässt (also jedenfalls wenn diese nicht zu extrem werden, man muss ja nicht jedem Irrsinn eine Bühne geben).

        1. Avatar von Norbert

          Nachdem das ja aus 2021 ist, habe ich mir ja die Mühe gemacht, mur das heute anzusehen. Hast du diesen Teil auch gelesen?

          User Counting ist Bullshit und braucht es nicht. Aber das ist auch nicht der Punkt. Es sind die Requests, die sie zu Big Tech schicken und DIE sind dann in der Lage zu tracken. Also genau das, was sie verhindern wollen, ermöglichen sie dadurch. Das kann man nicht schönreden.

          1. Avatar von WildEnte

            @hello das ist eine valide Meinung.

  4. Avatar von mpf

    Danke für diese Aufklärung. Finde ich tatsächlich problematisch. Vor allem die zahlreichen Aufrufe an die Google-API und die Nutzung des CDN.

    Ich habe mal die Pressestelle von Vivaldi angeschrieben und auf diesen Artikel verwiesen, mit der Bitte um Aufklärung, wie sich das mit dem (ziemlich großspurig daherkommenden) Claim, für Datenschutz zu kämpfen.

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