Twitter/X ist durch. Niemand, der noch halbwegs seriös ist, hat dort einen Account. Viele wechselten aber zu Bluesky. Gute Idee? Sehen wir uns das an.
Bluesky, dezentrale Alternative
Dezentrale Services sorgen dafür, dass das gesamte Netzwerk funktioniert, auch, wenn ein oder mehrere Nodes ausfallen. Bluesky (und das darunterligende AT-Protokoll) bewirbt genau das. Aber wie dezentral ist Bluesky eigentlich?
Tatsächlich gibt es EINE Instanz, zumindest EINEN öffentlichen Endpunkt. Alle Accounts liegen auf derselben Instanz. Fällt diese aus, ist Bluesky tot.
Ist das eine dezentrale Lösung? Nein.
Bluesky ist unabhängig, oder?
Hinter Bluesky steht ein US-amerikanisches gemeinnütziges Unternehmen. Das klingt erstmal gut (gemeinnützig). Der Sitz ist ein Seattle, Washington. Das bedeutet aber auch, dass amerikanisches Recht auf Bluesky und deren Infrastruktur anwendbar ist.
Bluesky erhebt aktuell keine Gebühren, nimmt allerdings auch keine Spenden entgegen. Das Unternehmen lebt von einer Crowdfunding-Kampagne und Geld von Ali Partovi (Code.org-Mitgründer), Suzanne Xie (ehemalige Twitter-Produktmanagerin), sowie weiteren Investoren wie Joe Beda (Mitgründer Kubernetes) und Bob Young (Red Hat). Auch das US-Unternehmen Automattic (WordPress) hat investiert.
Der Mitbegründer Jack Dorsey (Gründer von Twitter) ist seit 2024 nicht mehr mit an Board.
Sieht man sich die Geldgeber an, sieht Unabhängigkeit anders aus. Und irgendwann wird auch jeder etwas von seiner Investition haben wollen.
US-Plattform
Schlussendlich muss extra erwähnt werden, dass es sich um eine US-Plattform handelt. Wer digitale Souveränität hoch hält und frei von Big-Tech sein möchte, der ist bei Bluesky falsch.
Alternative?
Wer eine wirkliche Alternative sucht und auch eine europäische Lösung den Vorrang geben möchte, der wird im Fediverse fündig. Gerade Mastodon ist ähnlich zu Twitter/X und bietet genau das, was auch Bluesky verspricht (aber nicht hält): Dezentralität und Souveränität.
Zusätzlich bietet das Fediverse auch den Vorteil, frei von Algorithmen zu sein. Gerade davon sind anfangs viele überfordert, da es Arbeit ist, sich seinen Feed selbst zu konfigurieren, zahlt sich aber in der Regel aus.
Fazit
Bluesky ist eine Alternative zu Twitter/X, aber im Grunde gibt es kaum einen Unterschied. Die viel propagierte Dezentralität gibt zwar das Protokoll her, aber nicht die Implementierung und der Dienst. Es gibt eine einzige Instanz und diese ist in den USA beheimatet. Damit unterliegt diese Instanz natürlich US-amerikanischem Recht. Zusätzlich stehen dahinter Geldgeber, die wohl auch irgendwann einen ROI einfahren wollen und dieses Projekt nicht aus Goodwill finanzieren. Die Konsequenz ist, dass Bluesky in keinster Weise ein sinnvoller Social Media-Ersatz sein kann.


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