Warum es hier Kommentare gibt und ich das gut finde

Headerbild mit einem Mann vor einem Laptop, dem Schriftzug Blog und einigen Bubbles, die Kommentare symbolisieren sollen.

Robert und Jürgen finden Kommentare in Blogs gar nicht gut. Ich sehr wohl und das möchte ich hiermit auch begründen.

Zuvor aber kurz ein Zitat von Robert:

Sowas dient doch letztlich auch nur der Messbarkeit¹ (der Relevanz der Artikel?) und da hab ich ehrlich gesagt keinen Bock drauf. So Narzisstengewichse wie Matomo, Google Analytics und Konsorten sucht man hier schließlich auch vergeblich.

Argumente wie »Aber so kann gar kein Austausch der Kommentierenden entstehen.« lasse ich nicht gelten. Ist ja kein Forum hier…

¹) Aus dem gleichen Grund lasse ich hier auch keine Webmentions anzeigen.

Disclaimer: Ich gebe hier meinen Standpunkt zum Besten, spreche anderen aber nicht ihren Standpunkt ab. Das muss jede:r Blogger:In so handhaben, wie es passt.

Das Herdending

Menschen leben in Gruppen und sie schließen sich zu Interessensgruppen zusammen. Der Grundstein können Hobbies, Arbeit, politische Meinung oder was auch immer sein. In diesen Gruppen kann man sich unterstützen, ergänzen und weiterentwickeln. Sowohl sozial, als auch fachlich.

Besonders gut funktionieren diese Gruppen, wenn es menschlich passt. Dies ermöglicht auch kontroverse Diskussionen, ohne dem sozialen Gefüge zu schaden. Dazu braucht es auch unter Gleichgesinnten unterschiedliche Sichtweisen. Etwas, das notwendig ist, sich weiterzuentwickeln. Für manche mag eine Echokammer ganz toll sein, ich sehe das nicht so.

Unterstützung, Feedback & Anregung

Ich verbringe schon viele Jahre in Vereinen, in Communities und habe ihnen viel zu verdanken. Ich bekam viel Wissen auf kurzen Wegen vermittelt, es stellten sich viele Fragen, es entwickelte sich ein positives Konkurrenzdenken (siehe Motivation). Es wurde um die Wette gebloggt, neue Themenbereiche erschlossen, diskutiert, wieder alles verworfen und neu gestartet – und dadurch viel gelernt.

Hängen geblieben sind nicht die sinnbefreiten Aussagen und Kommentare einzelner Idioten. Nein, die hilfreichen, aufmunternden Kommentare von Menschen, die man überhaupt nicht kannte und woraus sich über die Jahre die eine oder andere Freundschaft entwickelte. In Erinnerung blieb auch das positive Feedback von Menschen, denen ich weiterhelfen konnte.

Vieles wäre ohne die Kommunikation über meine Website und in weiterer Folge per Mail, dann per Telefon usw. nicht so verlaufen.

In der Bude muss Leben sein

Ein Thema lebt von unterschiedlichen Betrachtungen und auch einmal einer satten Diskussion. Für mich gehört das dazu und bereichert auch andere, wenngleich es nicht immer lustig ist und man lernen muss, nicht immer seinem ersten Impuls nachzugeben.

Natürlich kann man argumentieren, die eigene Website oder das eigene Blog sei kein Forum (angelehnt ans obige Zitat). Ja, ist es auch nicht. Aber ich mag es lieber lebendig und bunt.

Diese gewünschte Lebendigkeit führt aber auch gerne zu einem Vergleichs- und Performancestempel, der von außen aufgedrückt wird. Gerade den privaten Blogger:innen (ohne finanziellem Interesse) unterstelle ich, dass sich die meisten über steigende Zugriffe und viele Kommentare freuen. Aber die Motivation zum Bloggen hat einen anderen Antrieb. Wer mit seinem Blog Geld verdienen möchte, wird natürlich Zugriffe und Interaktionen als Gratmesser verwenden.

Ich mag es, wenn man zusehen kann, wie sich Blogs verändern und weiterentwickeln. Quasi erwachsen werden.

Es freut mich, wenn es sich anfühlt, als würde man in ein kleines Café gehen und alle Tische sind besetzt, das angeregte Gemurmel, hin und wieder ein heller Lacher.

Überheblichkeit

Mich persönlich freut es natürlich, wenn ich ein Thema erwischt habe, das Resonanz bringt. Wäre das nicht so, wäre mein Blog im Internet sinnlos. Welchen Sinn ergibt es, ein Blog ins Internet zu stellen, wenn man eigentlich gar keine Interaktion möchte? Genauso gut könnte ich in ein Sackerl (=Tüte, für die Nachbarn 😁) reden.

Ich sehe dabei sogar so etwas wie Überheblichkeit oder Arroganz darin. Sich hinzustellen, die eigene Wut, Meinung oder Was-auch-immer in die weite Welt zu brüllen, um sich dann sofort hinter eine schalldichte Wand zurückzuziehen. So nach dem Motto: „Ich habe gesprochen und alles gesagt“. Friss, oder stirb.

Ja. Das kann jede:r Blogger:in so handhaben, wie es beliebt. Ganz klar. Aber alles was man öffentlich tut, hat auch eine Außenwirkung. Dessen sollte man sich bewusst sein. Und diese entspricht vielleicht nicht immer der eigenen Intention.

Lange Rede, kurzer Sinn

Feedback ist für mich sehr wichtig und ausdrücklich erwünscht. Für mich zeugt das einfach von einer gesunden und funktionierenden Umgebung, von Lebendigkeit. Aus diesem Grund gibt es bei mir am Blog Kommentare und auch sonst ausreichend Möglichkeit, mich zu kontaktieren.

Kommentare

25 Antworten zu „Warum es hier Kommentare gibt und ich das gut finde“

  1. Avatar von Oli

    Der Kommentar ist des Bloggers Brot

  2. Avatar von Max

    Ich meide (private) Blogs, in denen nicht kommentiert werden kann. Ich schreibe da dann auch nie Replies über diverse Netzwerke, wenn dort die Links geteilt werden.
    Ich sehe es so, dass Autor*innen eben kein Feedback wünschen.

    Persönlich finde ich es schade, dass weniger in Blogs kommentiert wird und eher fragmentiert über Netzwerke hinweg. Da sind ja oft interessante Informationen, Standpunkte dabei, die anderen Bloglesenden dann nicht zugänglich sind.

    Damals bei GooglePlus konnte man zumindest die Kommentare bei einzelnen Post deaktivieren, so dass bei geteilten Links dort nicht kommentiert werden konnte. Das halt ein wenig, die Kommentare in den Blog zu lenken.

    1. Avatar von Norbert

      Schlussendlich möchte ich die Diskussion ja auf meinem Blog haben und nicht wo anders. Wie du sagst, bekommt man dann ja einiges nicht mit (was schade ist) und die Verteilung über mehrere Plattformen ist der Diskussion ansich ja schon nicht zuträglich.

      Mir persönlich ist es meist zu umständlich, irgendeinen Weg der Kontaktmöglichkeit zu suchen und mache es dann nicht. Gibt’s halt kein Feedback 🙂

  3. Avatar von Tommi

    Man kann es so sehen, wie die zitierte Quelle. Muss man aber zum Glück nicht. Kommentare gehören bei Blogs einfach dazu.

    1. Avatar von Norbert

      Es gibt auch Gründe, keine Kommentarmöglichkeit anzubieten und ich kann das schon bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Aber ja, für gehören sie auch zu Blogs dazu.

    2. Avatar von Lorenzo

      Genau, Kommentare gehören einfach dazu.

  4. Avatar von Herr Tommi

    In der Bloggerszene gibt es eine Diskussion über Kommentare und deren Notwendigkeit. Der Auslöser ist (wieder mal) ein provokanter Minibeitrag mit Kraftausdrücken. Manchmal frage ich mich schon, warum man wirklich alles kaputtreden muss? Da nutze ich doch mal die Kraft des Mausrades und werde dazu weiter nichts Eigenes schreiben. Zumal einige andere das bereits getan und alles gesagt haben: Warum es hier Kommentare gibt und ich das gut finde Kommentar erwünscht? – Zwischen digitaler Nähe und technischen Hürden Kommentare

  5. Avatar von Daniel

    Der gute alte Pfotenhauer polarisiert eben gerne, damit ist er nicht alleine.

    Du hast im Grunde schon alles sehr schön ausformuliert was es dazu zu sagen gibt, man kann darüber einfach sehr viel lernen und sich vernetzen. Insofern man das möchte.

    Ich möchte gerne noch folgendes ergänzen. Oder, wie man mir woanders schon unterstellt hat, geschwollen daher reden! 😉

    Um so breiter die Bloggerszene die Gesellschaft abbildet, umso kontroverser werden die Themen/Aussagen. Dann haben Kommentare im Gegensatz zu zeichenbegrenzten SoMe den Vorteil, dass man sich ausgiebig darüber austauschen kann.

    Wer das dann nicht anbietet und sogar ganz klar sagt dass er auf Rückmeldung pfeift, der verliert auf Dauer an Resonanz, bzw. bewegt sich in der Blase der wenigen Zustimmer. Damit gehen die guten Eigenschaften, die wir Blogs zuschreiben, zumindest aus meiner Sicht für den Betreiber und seinen Dunstkreis verloren.

    Letztlich weiß jeder selbst was gut für ihn ist. Nicht jede Aussage muss man nachvollziehen können/wollen.

    1. Avatar von Norbert

      Ich kann dem nur zustimmen.

  6. Avatar von Hendrik

    Schon häufiger wollte ich meine Meinung zu einem Standpunkt kundtun und habe dann keine Kommentarmöglichkeit, ja manchmal noch nicht mal eine Mailadresse gefunden. Finde ich doof.
    Schon alleine, weil ich den Austausch zu meinen Themen selber mag, lass ich andere auch gerne wissen, dass mir gefällt, was sie schreiben, oder an welcher Stelle ich es anders sehen würde.

    1. Avatar von Norbert

      Das find ich dann auch immer doof. Das Ergebnis ist, dass ich diese Seiten dann weniger häufig aufsuche, ich kann mich ja ohnehin nicht einbringen.

  7. Avatar von Angela Carstensen

    Das kann ja jede:r halten wie er oder sie das will. Ich persönlich finde es oft interessant, was andere zu einem Thema denke, das mich beschäftigt. Muss auch nicht unbedingt Zustimmung sein, Hauptsache höflich.

    Selbst kommentiere ich auch gerne. Nicht unbedingt nur, um meine Meinung mitzuteilen, sondern auch zum Netze knüpfen. Da sieht dann jemand, dass ich den Blogpost gelesen habe und fühlt sich erstmal wahrgenommen. Das ist aus meiner Sicht kein Narzismus, sondern ein ganz normales menschliches Bedürfnis. wir sind ja soziale Wesen.

    Ich klicke auch sehr gerne auf den Webseitenlink von Menschen, die bei mir kommentieren und merke, wie mir andere Menschen einen Gegenbesuch abstatten. ehrlich gesagt, gerade in den heutigen Zeiten, in denen es so viel Unschönes gibt, tut es auch mal gut, so ein bisschen Verbindung zu haben, und sei sie auch nur virtuell und vorübergehend. Auf jeden Fall habe ich so schon einige interessante Blog kennen gelernt und bei der Gelegenheit einiges an anregenden Gedanken gelesen.

    Und wer das nicht will, muss ja nicht. Da habe ich auch keine große Meinung zu.

    1. Avatar von Norbert

      Ich kann das bestätigen, was du schreibst.
      Über die Zeit ergeben sich Verbindungen, man lernt sich besser kennen, man stößt auf Neues – das ist einfach wunderbar bereichernd und wertvoll.

  8. Avatar von Sari

    Oh Gott ein Blog ohne Leben und buntes Treiben… nein, da würde mir was fehlen.

  9. Avatar von ClaudiaBerlin

    Stimme dir in allen Punkten zu! Blogs sind für mich kleine „Salons“, ich bin da Gast oder Gastgeberin und freue mich sehr, wenn ein Thema viel Resonanz gefunden hat.
    Ob man Kommentare mag oder eher nicht (und dann zum Schluss kommt, sie ganz abzuschaffen) liegt m.E. an den Erfahrungen, die man persönlich damit gemacht hat. Wie immer gilt ja: Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus – und ich kann mir vorstellen, dass provokante Postings, womöglich mit entsprechender Sprache, nicht unbedingt freundliche Resonanzen erzeugen. Oder es kommen über die Zeit gar keine Kommentare, weil z.B. die Themen niemanden interessieren oder (vermutlich häufiger), wenig dafür getan wird, das Blog auch bekannt zu machen. Dann sehe ich das Entfernen der Kommentarfunktion als eine Art Trotz- bzw. Frust-Reaktion – aber hey: jeder wie er mag!

    1. Avatar von Norbert

      Ich kann deinen Gedanken absolut nachvollziehen und mir auch durchaus vorstellen, dass dies in einigen Fällen durchaus eine Trotzreaktion darstellt. Man schläft, wie man sich bettet.

  10. Avatar von Andreas

    Dem kann ich mich so gesehen anschließen, auch wenn es auf meiner Seite kein Kommentarsystem gibt. Was allerdings oft nicht gesehen wird, ist die Tatsache, dass sehr viele Blogsysteme von Haus aus gar nicht über ein Kommentarsystem verfügen. Das trifft insbesondere auf die meisten Flatfile-Systeme zu. Hier bleibt oft nur die Möglichkeit ein Fremdsystem einzubinden, was nicht immer DSGVO-konform ist, oder selbst eines zu hosten, wofür meist Rootrechte erforderlich sind, die man eventuell nicht hat, wenn z. B. Webspace verwendet wird. Zudem verfügen Selfhosting-Lösungen selten über einen guten Spamfilter.

    Und bezogen auf einige Kommentare: Nur weil jemand kein Kommentarsystem zur Verfügung stellt, heißt das nicht, dass kein Interesse an Feedback besteht oder dass man auf Rückmeldungen pfeift und nur deshalb darauf verzichtet. Oft sind die Dinge viel banaler, als man denkt. Und ja, ein Austausch ohne Kommentarsystem ist natürlich extrem unpraktisch.

    1. Avatar von Norbert

      Vielen Dank für dein Feedback.

      Ich habe selbst z.B. HTMLy im Einsatz, verwende Static File Generatoren, ja habe sogar selbst einen entwickelt. Es ist also schon im Hinterkopf.

      Letzten Endes ist aber alles eine Frage der Priorisierung.

      Will ich ein einfaches, ressourcenschonendes Blogsystem: ja
      Will ich Feedback per Kommentare: nein
      Will ich Feedback per E-Mail: ja
      Usw.

      Für technische und rechtliche Aspekte gibt es Lösungen. Sich hinter einer technischen Limitierung zu verstecken ist für mich eine Ausrede. Es ist ja auch ok zu sagen: „Das will ich nicht“, oder „Mir ist mein Flat-System viel wichtiger, als eure Kommentare“.

      Nicht falsch verstehen, ich meine das nicht böse, aber ich denke, man kann es darauf reduzieren.

  11. Avatar von Maurice

    Ich vermisse so oft die Möglichkeit, in Blogs kommentieren zu können und habe bei mir daher Kommentare aktiv. Mir geht es beim Bloggen auch immer um den Austausch.

    Warum man, wie Robert, immer gleich solch einen Tonfall wählen und andere abwerten muss, verstehe ich nicht, sorgt dann letztendlich dafür, dass ich solche Blogger meide .

  12. Avatar von Erik

    Ich erhoffe mir beim Bloggen, dass ich Rückmeldungen auf meine Artikel erhalte. Wie soll ich die bekommen, wenn ich keine Kommentare zulasse und kein Website-Tracking nutze?

    Wer keine Rückmeldungen erhalten will, braucht sein Blog doch nicht zu veröffentlichen. Er kann seine Einträge in ein Tagebuch schreiben und in der untersten Schublade seines Schlafzimmerschranks verstauen.

  13. Avatar von Julia

    Ich finde Kommentare auch gut und wichtig. Manchmal fehlt mir jedoch die Zeit, um solche zu verfassen.

  14. Avatar von Eddy

    Ich reihe mich mal ein und unterstreiche ein weiteres Mal, was die vielen Vor-Kommentator:innen schon gesagt haben:

    Ein Blog ohne Kommentarfunktion ist irgendwie unvollständig. Oder wie es Oli gesagt hat: Der Kommentar ist des Bloggers Brot. Ich verwende statt ‚Brot‘ gerne ‚Applaus‘.

    Liebe Grüße,
    Eddy

  15. Avatar von Jürgen

    Hey

    Ich habe nichts gegen Kommentare.

    Leider in der Vergangenheit oft die Erfahrung mit Trollen gemacht, die einfach nur Stress suchen. Und aus dem Alter bin ich raus. 😉

  16. Avatar von Patric

    Kommentare in Blogs sind und bleiben wichtig. Ich kommentiere selbst nicht viel, manchmal will ich aber meinen Senf dazugeben. Und genauso freue ich mich, wenn ich Kommentare bekomme.

  17. Avatar von Sabine

    Ich als private Bloggerin freue mich durchaus über Kommentare! So grandios wie du könnte ich es nicht ausdrücken, deswegen einfach nur ein ja, mich freut das!
    Find ich gut, Rückmeldung zu kriegen und die Ansichten der Leser sind auch interessant für mich. Weil jeder anders denkt und gelesenes verschieden auffasst. Kommentare sind klasse!

    Sabine aus dem Mausloch

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